Grünere Weihnachten: Wie sinnvoll ist ein Bio-Weihnachtsbaum?

Die meisten Weihnachtsbäume, die jedes Jahr in Deutschland verkauft werden, hatten ein giftiges Vorleben: Sie wurden mithilfe von Düngemitteln gezogen, die den Boden und das Grundwasser belasten, und sie wurden außerdem mit Pestiziden und Herbiziden behandelt. Je nach Herkunft tragen sie überdies einen mehr oder weniger großen CO2-„Rucksack“. Da ist es verständlich, dass in immer mehr Haushalten zu Weihnachten der Ruf nach einem Bio-Weihnachtsbaum laut wird. Aber wie sinnvoll ist ein Bio-Weihnachtsbaum eigentlich? Oder anders gefragt: Inwiefern wäre es eine Unterstützung der Umwelt, wenn statt „normaler“ Weihnachtsbäume mehr Bio-Weihnachtsbäume produziert und verkauft würden?

Ökologisch, klimafreundlich oder aus der Region – was macht einen Bio- Weihnachtsbaum aus?

„Bio-Weihnachtsbaum im Topf“, „Bio-Weihnachtsbaum aus der Region“ oder „Bio-Weihnachtsbaum selbst geschlagen“ – so lauten oftmals die Werbeaussagen der Baumanbieter. Aber was genau macht einen Bio- Weihnachtsbaum tatsächlich zum Bio-Weihnachtsbaum? Leider gibt es dafür keine fest definierten Kriterien. Nach allgemeinem Verständnis sollte ein Bio-Weihnachtsbaum aber

  • ohne Mineraldünger und ohne Wachstumsregulatoren,
  • ohne den Einsatz von chemischen Pestiziden (gegen Insekten)
  • und ohne den Einsatz von Herbiziden (gegen Unkraut)

produziert worden sein. Weiterhin wünschenswert wäre es, wenn der Baum

  • aus der Forstwirtschaft – also aus einem Wald – stammen würde(und nicht aus Plantagenwirtschaft),
  • in Deutschland angebaut worden wäre (und nicht in Dänemark oderUngarn)
  • und am besten auch aus der Region käme.

Warum der Verzicht auf Chemie so wichtig ist

Am wichtigsten ist aber die Abwesenheit von chemischen Substanzen. Laut einer Untersuchung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) aus dem Jahr 2020 sind zwei Drittel aller Weihnachtsbäume im Handel mit chemischen Rückständen belastet. Das ist aus zweierlei Gründen schlecht: Zum einen deutet es darauf hin, dass Fauna und Flora im Umfeld der Bäume während der Baumproduktion gelitten haben. (Bei der Hälfte der untersuchten Bäume wurde z. B. das Insektenbekämpfungsmittel Lambda-Cyhalothrin nachgewiesen – dieses gilt als das schädlichste zurzeit in der EU zugelassene Pestizid, es vernichtet Bienen und andere Nutzinsekten.) Zum anderen können die Rückstände, wenn sie über Ausdünstung in die Raumluft gelangen, bei Menschen zu Reizungen von Augen, Haut, Schleimhäuten und Atemwegen führen. Allergiker und Asthmatiker sind besonders gefährdet.

Woran man einen Bio Weihnachtsbaum erkennt

Einen Bio-Weihnachtsbaum erkennt man am Siegel – so lautet die einfache Antwort. Allerdings gibt es nicht nur ein einziges Siegel, das einem Baum Bio-Qualität bescheinigt. Die Aktionsgemeinschaft Robin Wood definiert einen ökologischen Weihnachtsbaum (also einen „Bio“- Baum) als einen Baum, der entweder nach den Vorgaben des ökologischen Landbaus oder nach den Vorgaben des ökologisch ausgerichteten Waldbaus produziert wurde. Die hier aufgelisteten Siegel belegen entweder das eine oder das andere:

Woher Bio-Weihnachtsbäume kommen

Zum größten Teil stammen Bio-Weihnachtsbäume aus Landwirtschaftsbetrieben, wo sie von Landwirten zum Nebenerwerb angebaut werden. Die dafür genutzten Flächen lassen sich meist ohnehin nicht auf andere Weise gewinnbringend nutzen. Rund 15 Prozent der Bio-Weihnachtsbäume stammen auch aus Forstbetrieben. Allerdings holzen die Forstbetriebe die Bäume in der Regel nicht mitten im Wald ab, sondern auf Sonderflächen (etwa auf Waldtrassen unter Hochspannungsleitungen oder auf Pipeline-Grünstreifen), wo sie dem Wald nicht fehlen.

Wo kriegt man einen Bio- Weihnachtsbaum?

Bio-Weihnachtsbäume kann man inzwischen überall kaufen, sogar in vielen Bau- und Gartenmärkten. Auf der Robin-Wood-Homepage gibt es eine Liste mit Bio-Weihnachtsbaum-Verkaufsstellen, geordnet nach Bundesländern – hier kann man sich über Angebote im eigenen Wohngebiet informieren. Etliche Erzeuger von Bio-Weihnachtsbäumen bieten ihre Bäume auch übers Internet zum Versand an. Wer will, kann sogar seinen Bio-Weihnachtsbaum selber schlagen: Google liefert für den Suchwort-Eintrag „Bio-Weihnachtsbaum selber schlagen“ Adressen für fast jede Region in Deutschland.

Fazit: Ein Bio-Weihnachtsbau ist sinnvoll – wenn es denn unbedingt ein echter Baum sein muss

Zurück zur Eingangsfrage: Sind Bio-Weihnachtsbäume im Vergleich zu Standard-Weihnachtsbäumen tatsächlich besser für die Umwelt? Ja, das sind sie, denn beim Anbau von Bio-Weihnachtsbäumen wird auf Chemie-Dünger, auf Entwässerungsmaßnahmen und auf die Anwendung von Pestiziden und Herbiziden verzichtet. Das schont im Übrigen nicht nur die Umwelt, sondern kommt auch der Gesundheit der Weihnachtsbaumkäuferinnen und -käufer zugute. Wenn es also unbedingt ein echter Weihnachtsbaum sein muss, ist die Bio-Variante zu bevorzugen. Eine andere Möglichkeit, Weihnachten nachhaltig (aber mit Baum) zu feiern, besteht darin, einen Keinachtsbaum® zu kaufen. Da muss dann überhaupt kein Baum gefällt werden; trotzdem hat man dank echtem Tannengrün den Eindruck, es stünde ein echter Baum im Zimmer.