Weihnachtsbaum wieder einpflanzen – wirklich eine gute Lösung?

Weihnachtsbaum im Topf zum wieder einpflanzen – wirklich eine gute Lösung?

Dass das jährliche millionenfache Fällen von Weihnachtsbäumen dem Klimaschutz nicht dienlich ist, kann sich jeder denken – da braucht es keine textliche Abhandlung. Aber ist das Konzept „wiedereinpflanzbarer Weihnachtsbaum“ eine praktikable und ökologisch sinnvolle Alternative? Und was muss man beachten, wenn man einen Weihnachtsbaum zum wieder einpflanzen kaufen will? Zur Klärung dieser Fragen sind dann doch ein paar erläuternde Zeilen nötig.

Was für das Konzept „Zweites Tannenleben“ spricht – und was dagegen

Zunächst einmal ein paar ernüchternde Fakten: Von den rund 26 Millionen Tannenbäumen, die jedes Jahr zur Verwendung als Weihnachtsbaum geerntet werden, werden laut Statistiken des Weihnachtsbaumverbandes rund 90 Prozent gefällt. Nur etwa 10 Prozent der Bäume werden mit Wurzeln bzw. im Topf verkauft – Tendenz sinkend. Die Gründe für den kleinen Anteil an Topf-Bäumen sind vielfältig: Ein Weihnachtsbaum zum Wiedereinpflanzen ist relativ teuer, macht außerdem viel Mühe und unterliegt auch noch einigen Beschränkungen (etwa in Bezug auf die maximale Nutzungszeit in der Wohnung). Konkret sieht die Vorteile-Nachteile-Aufstellung wie folgt aus:


Vorteile

  • Weihnachtsbaum bleibt frisch (nadelt weniger und trocknet nicht ein)
  • Bessere Nachhaltigkeit / Klimaschonung

Nachteile

  • Höhere Anschaffungskosten (Mindestpreis ca. 30 EUR)
  • Größe ist auf ca. 1,20 m limitiert
  • Nutzungszeit im geheizten Wohnzimmer ist auf max. 10 Tage limitiert
  • Höherer Pflegaufwand (regelmäßiges Gießen und Besprühen)
  • Hoher Arbeitsaufwand nach Weihnachten (für das Wiedereinpflanzen)
  • Platz zum Wiedereinpflanzen erforderlich (Garten)

Die Vorteile, die ein Weihnachtsbaum mit Wurzeln bietet, sind im Vergleich zu den Nachteilen also überschaubar. Dazu kommt, dass der Nachhaltigkeitsvorteil vom erfolgreichen „Umsiedeln“ des Baumes nach Weihnachten abhängt. Gelingt es später nämlich nicht, den Baum in einem Loch im Erdreich wieder anzupflanzen, dann muss er später doch entsorgt werden – und die Umweltbilanz sieht kein Stück besser als aus als bei einem gefällten Weihnachtsbaum.

Nordmanntanne, Fichte, Kiefer: Welcher Baum lässt sich gut wieder einpflanzen?

Die Wahl der Nadelbaumart ist für den Erfolg des Wiederaussetzens mitentscheidend. So ist z. B. die Nordmanntanne – die mit Abstand beliebteste Weihnachtsbaumversion – für ein späteres Wiedereinpflanzen wenig geeignet. Grund ist ihre Pfahlwurzel: Da diese tief in die Erde hinunter wächst, werden Nordmanntannen in der Regel nicht im Topf angepflanzt, sondern auf freiem Feld. Beim Ausgraben wird die Pfahlwurzel dann fast immer beschädigt. Wer eine Nordmanntanne wieder einpflanzen will, sollte deshalb beim Kauf unbedingt auf eine unversehrte Wurzel achten. Rotfichte, Kiefer, Douglasie und Zypresse sind deutlich robustere Kandidaten.

Vom Kauf bis zum Umpflanzen: Das muss beachtet werden!

Wenn der zu Weihnachten gekaufte Tannenbaum später weiterleben soll, müssen beim Kauf, bei der Pflege und beim Umpflanzen einige Dinge beachtet werden.

Beim Kauf:

  • Topf-Aufzuchten bevorzugen
    Es gibt zwei Arten von Topf-Bäumen: solche, die von vornherein im Topf gezogen wurden, und solche, die im Freifeld aufgewachsen sind und zur Ernte ausgegraben und eingetopft wurden. Bei Bäumen, die im Topf gezogen wurden, ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass sie das spätere Umpflanzen überleben.
  • Auf gesundes Aussehen achten
    Da man die Wurzeln eines Topf-Baumes nicht in Augenschein nehmen kann, muss man sich auf das Betrachten des oberirdischen Teils beschränken. Wirkt der Baum frisch und kräftig? Ein gesunder Baum nadelt auch kaum!
  • Kleinen Baum wählen
    Je kleiner ein Baum ist, desto kleiner ist auch sein Wurzelballen – und desto besser lässt er sich später umpflanzen. Ein 90-cm-Baum ist also unproblematischer als ein 120-cm-Baum.

Bei der Pflege:

  • Ausreichend gießen
    Dass ein Baum im Topf gegossen werden muss, versteht sich – am besten jeden Tag mit lauwarmem Wasser. Die Erde sollte nie ganz trocken sein. Von Zeit zu Zeit sollte auch das Nadelkleid mit Wasser besprüht werden.
  • „Schonend“ schmücken
    Beim Schmücken ist darauf zu achten, dass keine Zweige beschädigt oder abgebrochen werden.
  • Standort mit Bedacht wählen
    Je wärmer der Standort, desto schlechter. Ein Platz direkt vor der Heizung ist deshalb ungeeignet. Auch ein Standort mit viel Zugluft, etwa im Hausflur, ist nicht optimal.
  • Standzeit in der Wohnung beschränken
    Länger als 10 Tage sollte ein eingetopfter Baum nicht in der Wohnung stehen, egal an welcher Stelle.

Beim Umpflanzen:

  • Nicht sofort ins Freie aussiedeln
    Das sofortige Umsiedeln aus dem geheizten Innenbereich in den kalten Außenbereich bekommt keinem Baum gut. Besser ist es, den eingetopften Baum nach Weihnachten zunächst ein paar Tag im Keller oder im Winterarten an niedrigere Temperaturen zu gewöhnen.
  • Frost meiden
    Das Umsiedeln darf nicht bei Frost erfolgen, denn im warmen Wohnzimmer wird die Frostresistenz eines Baumes vorübergehend gebrochen. Im Zweifel muss der Baum über Tage oder Wochen frostfrei zwischengelagert werden (allerdings nicht ausschließlich im dunklen Keller; schließlich braucht jeder Baum Licht).
  • Ausreichend viel Platz schaffen.
    Bei einer Anpflanzung im Garten sollte das Loch großzügig ausgehoben werden. Beim Umpflanzen in einen anderen (größeren) Topf ist eine entsprechend großzügige Topfdimension zu wählen. Außerdem muss bei der Topfhaltung auf gute Düngung geachtet werden.
Weihnachtsbaum mit Ballen wieder einpflanzen

Tipp: eigenen Ableger ansetzen

Anstatt einen Weihnachtsbaum mit Wurzeln zu kaufen, können Gartenbesitzerinnen und -besitzer sich auch von ihren eigenen Tannen einen Ableger „abzweigen“ und diesen einpflanzen. Dazu einfach eine Triebspitze, die nicht mehr weich – aber auch noch nicht verholzt – ist, vom Baum abreißen (nicht abschneiden!), sodass der Steckling eine Rindenzunge hat. Dann die unteren Seitentriebe des Stecklings entfernen, den Steckling in die (Topf-) Erde stecken und ihn angießen. Der Topf muss dann an einer hellen Stelle positioniert werden. Im Gartengewächshaus oder auf der Fensterbank sind die Chancen für das Anwachsen am größten. Eine genaue Anleitung gibt’s auf gartentipps24.de.

Fazit:

Ein Weihnachtsbaum zum Wiedereinpflanzen ist zwar grundsätzlich nachhaltiger als ein gefällter Weihnachtsbaum, er erfordert aber viel Kompromissbereitschaft. Zudem ist das Überleben des Baumes nach Weihnachten nicht garantiert: Oft klappt die Umsiedlung nicht, denn viele eingetopfte Bäume haben so stark geschädigte Wurzeln, dass sie im Garten nicht mehr gedeihen – und dann entfällt auch der Nachhaltigkeitsbonus. Eine unkompliziertere Alternative zum gefällten Weihnachtsbaum ist da der Keinachtsbaum®: Er beansprucht keinen Platz im Garten, ist wiederverwendbar – und kann viel größer ausfallen als der größte Topf-Baum!